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Wissensmanagement mit Wiki-Software

Sonntag, 23. November 2008 | Autor: Damian Gawenda

Der Begriff Wissensmanagement meint die methodische Einflussnahme auf die Wissensbasis einer Person oder einer Personengruppe. Unter der Wissensbasis werden alle Daten und Informationen, alles Wissen und alle Fähigkeiten verstanden, die diese Organisation bzw. Person zur Lösung ihrer vielfältigen Aufgaben hat oder benötigt. Wissensmanagement kann mit einer sogenannten Wiki-Software abgebildet werden. Sie erlaubt es mehreren Autoren gemeinsam online Wissen zu beschreiben und zu kommentieren. Inhalte lassen sich verlinken und somit eine gemeinsame Wissensbasis schaffen.

Dieser Artikel gibt einen kleinen Ã?berblick der verfügbaren Wiki-Engines. Es gibt sie in verschiedensten Programmiersprachen, darunter Java, PHP, Perl, Python, Ruby, ASP, C# und auch JavaScript. Eine umfangreiche, nach Programmiersprachen sortierte Liste findet sich hier – einen sehr detailierten Vergleich gibt wikimatrix.org. In diesem Artikel werden folgende Engines kurz vorgestellt:

  • MediaWiki (Sprache: PHP, Lizenz: GPL; Speicher: DBMS)
  • Semantic MediaWiki (Sprache: PHP, Lizenz: GPL; Speicher: DBMS)
  • DokuWiki (Sprache: PHP; Lizenz: GPL; Speicher: Dateien)
  • JSPWiki (Sprache: Java; Lizenz: LGPL; Speicher: Dateien, DBMS)
  • FlexWiki (Sprache: C#;Lizenz: CPL; Speicher: Dateien, DBMS)
  • TWiki (Sprache: Perl; Lizenz: GPL; Speicher: Dateien)
  • PhpWiki (Sprache: PHP; Lizenz: GPL; Speicher: Dateien, DBMS)
  • TiddlyWiki (Sprache: JavaScript; Lizenz: BSD; Speicher: Datei)
  • Google Sites (gehostet)

Die bekannteste Engine ist wohl MediaWiki, denn sie ist die Basis der bekannten Online-Enzyklopädie Wikipedia. Sie wurde in PHP geschrieben und steht unter der GNU General Public License kostenlos zur Verfügung. Die Installation erfolgt sehr einfach auf einem Apache Webserver mit PHP. Die Daten werden in einem DBMS (Datenbank Management System) wie zb. MySQL gespeichert. Eingerichtet wird die Software dann per Webbrowser. Das Aussehen einer Installation lässt sich mit CSS-Skins steuern und was den Funktionsumfang angeht, gibt es mittlerweile mehr als 1100 Erweiterungen.

Eine der herausragendsten Erweiterungen für MediaWiki ist das Semantic MediaWiki. Sie erlaubt es, Aussagen über Seiten und über Relationen zwischen Seiten zu machen. So kann ein Artikel über den Kunden Max Mustermann nicht nur mit Dortmund verlinkt werden, die Verlinkung lässt sich auch mit der Relation “wohnt in” beschreiben. Somit lässt sich bei konsequenter Verwendung eine Aussage darüber treffen, “welche Kunden wohnen in Dortmund?”. Während MediaWiki eher für die Verwaltung von Online-Lexika ausgerichtet ist, kann Semantic MediaWiki als Grundlage für Wissensmanagement im Unternehmen verwendet werden.

Ebenfalls duch eine einfache Installation und Bedienung bei hohem Leistungsumfang glänzt DokuWiki. Es ist laut wikimatrix.org das populärste Wikisystem. Auch DokuWiki kommt mit einer simplen Apache/PHP Umgebung aus. Wobei eine Datenbank nicht erforderlich ist, denn die Daten werden in einer seperat geschützten Textdatei gespeichert. Die Benutzerverwaltung ist hier umfangreicher als bei MediaWiki und somit ist es besser für Kolloborationszwecke geeignet. Doch aufgrund fehlender Datenbank nicht für hohe Zugriffszahlen geeignet. Mit austauschbaren Templates ist auch hier das Aussehen änderbar und mit über 400 Erweiterungen sollte der Funktionsumfang nur wenige Wünsche offen lassen.

JSPWiki wurde, wie der Name schon vermuten lässt, mit Java Server Pages entwickelt. Die Installation der Software ist zwar auch recht einfach, doch mit Java 5 und Tomcat ist der Aufbau der Arbeitsumgebung und die Wartung nicht ganz trivial. �ber JDBC lassen sich beliebige Datenbanksysteme anbinden. Die Standarddatenbank ist jedoch ein RCS basiertes Dateisystem (Revision Control System). Die Benutzerverwaltung und Authentifizierung erfolgt sehr flexibel über XML-Dokumente. Auch hier kann das Aussehen angepasst werden und es gibt eine Reihe von praktischen Erweiterungen.

Die in C# und ASP.Net entwickelte Software FlexWiki ist eins der ersten internen Programme von Microsoft, die es zu einem OpenSource-Projekt gebracht haben. Sie läuft auf einem Windows Server mit dem .Net Framework 2.x oder auch mit Windows XP. Die Installation ist allerdings nicht so einfach wie bei den anderen hier vorgestellten Wiki-Engines, da ein gutes IIS-Administratoren-Know-how verlangt wird. Dafür ist die Erweiterung für .Net Profis relativ einfach. Wie erwartet werden die Daten in einem Microsoft SQL-Server gespeichert, doch auch eine Speicherung im Dateisystem ist möglich.

Das in Perl geschriebene und unter der GPL erhältliche TWiki hat einen Funktions- und Leistungsumfang, mit dem nur wenige Wiki-Engines mithalten können. Flexibel, mächtig und einfach zu benutzen heisst es auf der Homepage. Die Inhalte werden in Form von Textdateien abgelegt. Dieser Umstand ist bei hohen Zugriffszahlen zwar sehr unperformant, bietet allerdings dem Administrator eine einfache Möglichkeit, die Seiten zu verwalten und zu bearbeiten. Das weitreichende Rechtesystem ist sehr ausgereift und bietet vor allem im Unternehmenseinsatz ein wichtiges Feature. Auch hier kann das Aussehen in Form von Templates und CSS angepasst werden. Durch den WYSISYG-Rich-Text-Editor auf Basis von TinyMCE ist eine Bearbeitung durch Jedermann ohne Einarbeitung möglich. Und die Erweiterungsmöglichkeit mit über 300 Plug-ins kann auch hier viele Bedürfnisse decken.

Das PHPWiki ist eins der ältesten Wiki-Engines. Es ist ebenfalls unter der GPL zu haben und unterstützt die Speicherung in Form von Dateien oder dank AdoDB in einem beliegiben DBMS. Auch hier reicht ein Apache Webserver mit PHP-Interpreter, was die Installation auf einem beliebigen Hosting-Anbieter möglich macht. Eine Template-Engine erlaubt das Anpassen des Aussehens und die Erweiterungsmögilchkeiten sind dank des Plug-in-Systems auch recht gro�.

Ein besonderes Wiki-System unter der BSD-Lizenz ist TiddlyWiki. Es besteht aus nur einer Datei und läuft clientseitig mit JavaScript. Dadurch erfordert es nicht zwangsläufig einen Webserver, sondern kann sogar auf einem USB-Stick bereitgehalten oder per Email versendet werden. Alles was man zur Nutzung braucht ist ein moderner Webbrowser. Der Gestaltung und Erweiterung bleibt kaum ein Wunsch offen – es ist sogar mehr möglich als man glaubt.

Das gehostete Wiki von Google heisst Google Sites. Entwickelt wurde es von der Firma Jotspot, welche 2006 von Google gekauft wurde. Es ist mit Sicherheit die am einfachsten zu habene Wiki-Lösung, die es momentan gibt. Nicht nur weil man komplett auf eine Installation verzichten kann, auch die Bedienung mit einem WYSIWYG-Editor ist sehr intuitiv. Das Rechtesystem beschränkt sich hierbei auf einfache Freigaben, wer die Inhalte sehen und bearbeiten darf. Die Gestaltungsfreiheit beschränkt sich leider auf 23 Templates die zur Auswahl stehen. Lediglich Bilder, Farben und Schriftarten lassen sich noch anpassen. Ein grosses Plus ist sicher die einfache Anbindung von weiteren Google Services wie Picasa oder Docs. Ausserhalb von Google ist die Erweiterungsmöglichkeit aber leider gleich null.

Für welches Wiki man sich entscheiden sollte, hängt nicht zuletzt vom eigenen Vorhaben ab. Möchte man schnell und ohne Programmierkenntnisse loslegen und scheut nicht die Abhängigkeit von Google, dann ist Google Sites sicher keine schlechte Wahl. Möchte man auf individuelle Erweiterungen nicht verzichten und wünscht einen leichten Einstieg, ist man mit DokuWiki sehr gut beraten. Es ist nicht grundlos die beliebteste Wiki-Engine. Bei höheren Performance-Ansprüchen kann PhpWiki eine gute Alternative  zu DokuWiki sein. Wer sein Wiki nur für persönliche Zwecke mit möglichst gro�er Flexibilität nutzen möchte, sollte sich mal TiddlyWiki anschauen. Der Einsatz von FlexWiki oder JSPWiki sollte gut überlegt sein. Es erfordert schon ziemlich gute technische Kenntnisse bzw. macht die Wartung recht teuer. Für grö�ere Vorhaben empfiehlt sich TWiki. Die aktuelle Neuorientierung (zu NextWiki) der Entwicklergemeinde sollte allerdings erst abgewartet werden. Mein absoluter Favorit ist MediaWiki bzw. Semantic MediaWiki. Durch die unschlagbare Referenz Wikipedia ist die Weiterentwicklung auch in Zukunft gesichert. Es bietet die meisten Erweiterungsmöglichkeiten und mit der semantischen Komponente lässt sich Wissen im Unternehmen, nach meiner Meinung, am besten abbilden.

Wem dieser Vergleich nicht ausreicht und noch weitere Entscheidungshilfen benötigt, der sei auf die Compare-Möglichkeit und den Choice-Wizard von WikiMatrix.org verwiesen.

Quellen: Heise Verlag iX 12/2008, Wikipedia, WikiMatrix

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Thema: IT, Internet, Lehre, Wirtschaft

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  1. W3C Semantic Web Activity unter http://www.w3.org/2001/sw/

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