Kombination Web 2.0 und SOA
Montag, 7. Mai 2007 | Autor: Damian Gawenda
Bei serviceorientierten Architekturen (SOA) ist eine Ernüchterung eingetreten. Manche Versprechen der Hersteller, etwa die einfache Anwendungsintegration, konnten so nicht gehalten werden. Gartner- Vordenker Peter Sondergaard sieht eine Kombination von Web 2.0 und SOA als praktikablen Ausweg.
SOA hilft natürlich bei der Flexibilisierung der ITâ??, begegnet Peter Sondergaard, Senior Vice President von Gartner Global Research, der sich langsam verbreitenden Resignation gegenüber der Serviceorientierung. â??Aber SOA ist kein Allheilmittel, das die Unternehmen an sich dynamischer macht.â?? Zudem besitze SOA eine sehr hohe Komplexität und sei von daher nicht für alle Aufgaben geeignet.
Entsprechend plädiert Sondergaard dafür, speziell in Unternehmen, die agil sein müssen, serviceorientierte Architekturen als Rückgrat im Rechenzentrum zu nutzen. Damit könnten die Anwendungen in einem mittleren Zeithorizont an die Geschäftsprozesse angepasst werden. Als schnelle Reaktionsmöglichkeit auf sich wandelnde Bedürfnisse der Anwender oder auf Produkte der Konkurrenz empfiehlt er den Einsatz von Web-2.0-basierten Technologien wie der Sprache Ajax oder des Programmierstils REST.
â??Bedürfnisse der Endanwender werden exakter befriedigt.â??
Besonders, wenn die Integration der Applikationen teilweise auf dem Desktop des Anwenders stattfinden kann, spiele die Kombination Web 2.0 und SOA ihre Stärken aus. Dabei müsse die Entwicklerkompetenz nicht so hoch sein, wie bei einer reinen SOA-basierten Anwendungskopplung. Oftmals seien die Ergebnisse einer Web-2.0- und SOA-Kombination sogar besser, da die Bedürfnisse der Kunden exakter und schneller befriedigt werden können.
Wie wichtig die Hinwendung an die Nutzer ist, verdeutlicht Sondergaard am Beispiel der Finanzinstitute in Deutschland: â??Agile Finanzhäuser mit ihren Direkt-Banking-Angeboten machen den traditionellen Banken erheblich Druck. Direktbanken konnten massive Kundengewinne innerhalb von sehr kurzer Zeit erzielen. Dahinter steht vor allem der Einfluss einer Consumer-orientierten IT. Und was wir bei den Finanzinstituten gesehen haben, werden wir in diesem Jahrzehnt auch in anderen Branchen erleben.â??
Gartners Chefanalyst rät dringend, die Anwenderfokussierung in den Unternehmen nicht nur aus der Sicht der Prozesse zu betrachten, sondern auch technologisch: â??Den gröÃ?ten Einfluss, um ein Unternehmen Web-2.0â??fähig zu machen und es dadurch schneller auf die Kundenanforderungen an- zupassen, bieten die Möglichkeiten der internen und externen Softwareentwicklung.â?? Dabei geht es nicht darum, eine Anwendung Web-2.0-tauglich zu machen, sondern aus unterschiedlichen Applikationen schnell eine zugeschnittene Lösung zu erstellen.
Bereits die Annäherung der IT-Mitarbeiter an die Anwenderorientierung und das Web 2.0 verändere die Unternehmen positiv: â??Oft sehe ich, dass sich schon auf Basis einiger weniger schnell erstellter Web-2.0-Anwendungen die Effizienz der gesamten IT-Entwicklung erhöht. Durch den Erfolg kleiner schneller Projekte wird auch die übrige Entwicklung zielgerichteter. Die Art, wie die IT-Mitarbeiter denken, wandelt sich insgesamt mehr in Richtung Kundennutzen.â??
Diese Art des Change-Managements hat Sondergaard speziell bei mittelständischen Finanzinstituten in Deutschland beobachtet, die eine überschaubare Anzahl von Developer beschäftigen. â??Hier ziehen die Web-2.0-Leute ihre anderen Kollegen mit. Plötzlich bauen auch die SOA-Spezialisten ein kleines, aber sehr nützliches Feature in ihre Applikationen ein, das beispielsweise die Bedienbarkeit verbessert. Die Entwicklungskosten für dieses Feature liegen fast bei Null.â??
Quelle: Computer Zeitung 30.04.2007



